von Timea Cheeseman

Stephan Pfingsten ist Geschäftsführer der Rebo Lighting & Electronics GmbH – Ein Unternehmen, das trotz profitorientierter Ausrichtung in der Vergangenheit keine großen wirtschaftlichen Erfolge feiern konnte. Mit einem Kulturwandel will Pfingsten das Blatt wenden, doch Veränderung braucht Zeit. Und so bedarf es für den Geschäftsführer viel Geduld, Verständnis und Vertrauen – in sein Unternehmen, seine Mitarbeiter und die Kraft einer achtsamen Unternehmenskultur. Mit unserem Artikel wollen wir ein Unternehmen vorstellen, das im Wandel steckt, und die kleinen Erfolge zählt.

Das Unternehmen

Sie bringen Licht ins Dunkel: Die Rebo Lighting & Electronics GmbH (ehemalig Truck-Lite) ist Automobilzulieferer und produziert Fahrzeug-Leuchten aller Art. Zu den Kunden des 375-köpfigen Unternehmens gehören Autohersteller wie BMW, VW, Porsche und Daimler. Es sind namenhaften Kunden, die Leistung erwarten – vor allem, wenn es um Kapazität und Qualität geht. Um den Ansprüchen ihrer Kunden gerecht zu werden und sich in der Mobilbranche zu positionieren, zählte für das Unternehmen aus Eisenach lange Zeit vor allem eines: wirtschaftliche Erfolge zu erreichen. Erfolge, die an Gewinnzahlen gemessen werden sollten.

Doch die Zahlen waren eindeutig: Das Unternehmen war wirtschaftlich nicht einträglich. Die erhofften Erfolge einer profitorientierten Unternehmenskultur blieben aus. Um ihre Zukunft zu sichern, entschied sich die Firma für einen “Kulturwandel”. Ein Schritt, der für das Überleben des Unternehmens dringend notwendig war. Für Geschäftsführer Stephan Pfingsten war es “Die Erkenntnis, dass die alte Kultur das Unternehmen langsam hat sterben lassen”, die ihn zu dieser Veränderung bewegte. Er setzte neue Schwerpunkte in der Produkttechnologie und Entwicklung, aber auch in der Firmenphilosophie. Der Kulturwandel gehört seitdem zu einem der wichtigsten Faktoren der Unternehmensstrategie und der Organisationsentwicklung

Neue Wege – Wer sind wir und wo wollen wir hin?

Ein Blick zurück sollte den Blick nach vorne klären, und so beschäftigte sich die Rebo GmbH in den letzten Jahren viel mit der Vergangenheit des Betriebes. Der Blick auf die eigene Geschichte und vergangene Fehler war ein wichtiger Schritt, um Klarheit darüber zu schaffen, welche Werte das Unternehmen und das Miteinander in Zukunft prägen sollten. Pfingsten und sein Team nutzen Achtsamkeit, Meditation aber auch Familien- und Organisationsaufstellungen als Tools.

Den Blick nach vorne sieht die Rebo GmbH im Sinne eines umfassenderen Weltbildes. Die Unternehmenskultur wird nun anhand von Don Beck’s Spiral Dynamics Konzept abgebildet. “Diese Kultur versuchen wir dann entsprechend dem integralen Ansatz nach Ken Wilber weiter zu entwickeln”, erklärt Pfingsten. So soll das ganze Unternehmen umfassender betrachtet werden. In der Praxis heißt das, dass nicht nur die Aufbau- und Ablauforganisation des Betriebes und die Ausbildung der Mitarbeiter im Fokus der Unternehmensstrategie stehen, sondern auch die Gefühle und Haltungen der Mitarbeiter sowie die Unternehmenskultur Berücksichtigung finden. Als Führungskraft ist für Pfingsten wichtig, dass seine Mitarbeiter wieder den Wert ihres Beitrags für das Unternehmen erkennen und lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Chancen und Hürden – Veränderung braucht Geduld

Um entscheidende Veränderungen in der Unternehmenskultur vorzunehmen, sind viele Führungskräfte von der Rückendeckung des Managements, der Vorstände oder der Aufsichtsräte abhängig. Auch Pfingsten muss für den Kulturwandel hartnäckig kämpfen und immer wieder die Menschen überzeugen, die primär ihren Blick auf den Unternehmenszahlen haben. “Wir bauen auf unserem guten Vertrauensverhältnis zu unseren Aktionären auf und versuchen immer deren Sichtweise natürlich auch zu der unseren zu machen” sagt Pfingsten. Seine Strategie: Vertrauen, Verständnis und Diplomatie.

Es ist ein langer Kampf, der auch nach dem Eigentümerwechsel weiter gehen wird. Das Unternehmen wurde im November von der chinesischen Boao-Gruppe gekauft. Eine internationale Firmengruppe, die jetzt auch das Eisenacher Unternehmen weltweit vernetzen möchte. “Die größte Hürde bleibt die Beharrungskraft im Unternehmen an Altem fest zu halten und so die notwendige Weiterentwicklung der Unternehmenskultur zu verhindern.” so Pfingsten. Der Eigentümerwechsel, glaubt Pfingsten, könnte aber auch die Chance für größere finanzielle Unabhängigkeit sein, die es wiederum erlaubt, den Kulturwandel mit voller Kraft voran zu treiben.

Dass es sich lohnt für eine achtsame Unternehmenskultur zu kämpfen, daran glaubt Stephan Pfingsten. Auch wenn der Kulturwandel in sehr kleinen Schritten voran geht, so gab es in den letzten Jahren doch immer wieder Momente, die ihn auch persönlich berührt und in seinem Glauben bestätigt haben. “Trotz vieler Rückschläge und großer Widerstände in der Organisation, gibt es immer noch einen Kreis von ca. zehn Mitarbeitern, der sich gemeinsam regelmäßig im Achtsamkeitstraining übt. Darüber hinaus kam es in vielen Familien zu Zusammenführungen von zuvor zerrütteten Familienbeziehungen.” Zehn Mitarbeiter von 375? Das klingt nicht viel. Doch wer etwas bewegen will, muss klein anfangen und braucht Geduld und Beharrlichkeit, und das weiß Stephan Pfingsten.

5 Tipps, die Stephan Pfingsten gerne anderen Führungskräften auf den Weg geben möchte:

  1. Authentisch sein
  2. Die eigenen Konditionierungen und Schattendynamiken möglichst gut kennen lernen
  3. Viel Geduld haben
  4. Sich vernetzten (niemand muss das Rad neu erfinden)
  5. Gute Berater haben